Wer heilt, hat Recht? – Die Hälfte aller deutschen Tierärzte behandelt homöopathisch



01/23/2010: Hat, wer heilt, auch automatisch Recht? Dass diese Frage unter Veterinärmedizinern aktuell kontrovers diskutiert wird, zeigte sich auf einer Veranstaltung der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft zu Beginn des 5. Leipziger Tierärztekongresses. Dabei ging es um das Spannungsfeld zwischen alternativen Heilmethoden einerseits und der evidenzbasierten Tiermedizin andererseits. Der Anlass: Nach der zunehmenden Verbreitung von alternativen Heilmethoden in der Humanmedizin ist inzwischen auch die Nachfrage in den tierärztlichen Praxen gestiegen, so dass viele Veterinärmediziner nach Orientierung suchen.

Dabei wurde deutlich, wie weit die Meinungen auseinandergehen. Da war auf der einen Seite von „Hokuspokus“ die Rede, da biologische Effekte beispielsweise bei der Homöopathie nicht nachweisbar wären. „Homöopathie ist unwirksam und muss deshalb vom Tierarzt verweigert werden“, polarisierte Prof. Marian C. Horzinek aus den Niederlanden. Auf der anderen Seite berichteten Praktiker von ihren positiven Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden. „Die Tiergesundheit ist damit nachweislich höher als bei schulmedizinisch behandelten Beständen“, schilderte ein niedergelassener Tierarzt seine Erfahrungswerte.


Auftaktveranstaltung „Wer heilt hat Recht?“, im Podium (v.l.n.r.):
Prof. Dr. Hartwig Bostedt, Prof. Claudia M. Witt, Prof. Dr. Wolfgang Löscher, Prof. Dr. Marian Horzinek, Tierarzt Stefan Wesselmann
Foto: Leipziger Messe GmbH / Waltraud Grubitzsch


Ob das allein einem psychologischen Effekt zugeschrieben werden kann? „Nein“, sagte Veterinärmediziner Stefan Wesselmann, und führte als Beleg an, Homöopathie auch bei großen Nutztierbeständen von beispielsweise 30.000 Puten erfolgreich anzuwenden. Laut Wesselmanns Recherchen setzen 40 bis 60 Prozent der deutschen Tierarztpraxen regelmäßig Homöopathie ein. Sein Fazit: „Es geht allein um unsere Verpflichtung zur Heilung. Dogmatismus ist da fehl am Platz.“

Die Berliner Professorin Claudia M. Witt sieht alternative Heilmethoden wie beispielsweise auch Magnetfeldtherapie und Akupunktur in der Realität denn auch nicht als eine Frage von „entweder – oder“, sondern eher als komplementäre, zusätzliche Angebote, deren Wirkmechanismen noch in entsprechenden Studien geklärt werden müssten. Dagegen formulierte Prof. Wolfgang Löscher, Pharmakologe aus Hannover: „Wer heilt, hat nicht Recht. Denn Placeboeffekte gibt es auch in der Veterinärmedizin.“

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(Quelle: Leipziger Messe GmbH)


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