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Nachricht vom 07.12.17 | 9. Leipziger Tierärztekongress

Das große Krabbeln: Insekten als neuartiges Lebensmittel

In vielen Ländern der Welt sind Insekten bereits fester Bestandteil der Ernährung. Abhängig von der Art sind sie reich an Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen. Auf dem 9. Leipziger Tierärztekongress wird Dr. Christine Wind vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg genauer auf die Verwendung von Insekten als Lebensmittel eingehen.

Käfer, Raupen, Heuschrecken und Termiten werden normalerweise in der Küche nicht gerne gesehen. Jedoch könnte sich das mit der neuen EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel ab dem 1. Januar 2018 ändern, denn diese legt klar den rechtlichen Rahmen für das Inverkehrbringen von ganzen Insekten, Insektenteilen und aus Insekten gewonnenen Inhaltsstoffen fest. Ein Inverkehrbringen dieser Produkte ist dann nach erfolgter gesundheitlicher Bewertung und Zulassung möglich. Laut Dr. Christine Wind vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg stellen essbare Insekten aber derzeit noch eine Nische in Europa dar. Dennoch werde Insekten-basierten Lebensmitteln in Europa ein erhebliches wirtschaftliches Potential und eine rasante Marktentwicklung prognostiziert. „Die Anzahl an Publikationen sowie die mediale Präsenz steigen zunehmend, und damit auch das Interesse in der Bevölkerung“, erklärt Dr. Wind. Eine wachsende Weltbevölkerung bedeute auch einen erhöhten Bedarf an Lebensmitteln und insbesondere an Proteinquellen. Essbare Insekten stellen eine mögliche Komponente dar, diesen steigenden Bedarf zu decken.

Wenn einer eine Reise tut

Wie es zu diesem Wandel im Essverhalten kommt, wäre schwer auszumachen, denn es gebe verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen. „Die mediale Präsenz weckt Interesse in der Bevölkerung und besonders auf Fernreisen kommt man mit essbaren Insekten in Berührung“, führt Dr. Wind weiter aus. Vor allem in der jüngeren Bevölkerungsschicht führe Abenteuerlust dazu, dass Neues ausprobiert wird. Politisch gesehen würden Gründe wie Nachhaltigkeit und gesundheitliche Aspekte betont. Nicht zuletzt zähle auch der Geschmack: viele Insektenarten wären mit ihrem nussigen und würzigen Geschmack ein Leckerbissen.

Gesundheitliche Bewertung

Die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, hat 2015 ein sogenanntes Risikoprofil zur Gewinnung und zum Verzehr von Insekten als Lebens- und Futtermittel erstellt. Dr. Christine Wind erklärt: „Auf wissenschaftlicher Basis wurden unter anderem eventuelle Gefahren für die Gesundheit des Menschen beleuchtet, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Krankheitskeimen, die Allergenität von Insekten oder deren mögliche Belastung mit chemischen Schadstoffen“. Des Weiteren komme die EFSA zum Ergebnis, dass das mikrobiologische Gefahrenpotential voraussichtlich dem anderer nicht-verarbeiteter Proteinquellen tierischen Ursprungs entspreche, sofern die Insekten mit derzeit zugelassenen Futtermittel-Ausgangserzeugnissen gefüttert würden. Das mikrobiologische und chemische Risiko hänge laut Dr. Wind, nach Einschätzungen der Experten, maßgeblich von der Insekten-Spezies, dem Entwicklungsstadium des Insekts und den jeweiligen Anzucht- und Verarbeitungstechnologien ab. „In Europa beispielsweise stammen die Insekten aber aus speziellen Zuchten für Lebensmittel-Insekten“, bemerkt Dr. Wind.

Chancen und Risiken

Gegenüber „klassischen Nutztieren“ bieten Insekten insofern Vorteile, dass sie

  • reich an hochwertigen Proteinen und weiteren Nährstoffen sind,
  • einen Beitrag zur Sicherstellung der Ernährung einer steigenden Weltbevölkerung leisten,
  • weniger Land- bzw. Flächen bei der Aufzucht benötigen sowie einen geringen Wasserbedarf haben,
  • wenig Treibhausgase produzieren,
  • eine hohe Futterverwertungseffizienz aufweisen sowie
  • die Aufzucht mit verschiedenen Futter-Substraten ermöglichen.

Potentielle Risiken hingegen können unter anderem pathogene Bakterien, Viren, Parasiten, Pestizide oder Schwermetalle sein, die in oder auf den Insekten auftreten. Hinzu zählen außerdem Allergene sowie physikalische Risiken aufgrund eines harten Exoskelettes, Flügeln oder Stacheln.

Weitere Informationen

Der Vortrag zum Thema „Insekten als Lebensmittel in der amtlichen Untersuchung“ findet im Rahmen des Blocks „Lebensmittelmikrobiologie / Technologie / Hygiene II“ am 19. Januar 2018 von 12.10 bis 12.25 Uhr statt.

Über den Leipziger Tierärztekongress und die vetexpo

Der Leipziger Tierärztekongress und die Messe vetexpo werden von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, den sechs Tierärztekammern der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Leipziger Messe GmbH veranstaltet. 5.000 Tierärzte, Tiermedizinische Fachangestellte und Studenten der Veterinärmedizin sowie 450 Referenten kamen zur vergangenen Veranstaltung vom 14. bis 16. Januar 2016 nach Leipzig. Auf der größten veterinärmedizinischen Industrieausstellung Deutschlands, vetexpo präsentierten sich am 15. und 16. Januar insgesamt 210 Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Arzneimittel, Medizintechnik, Diagnostika, Instrumente sowie Tierernährung/Diätetik, moderner Praxiseinrichtung, EDV oder Fachliteratur.


Ansprechpartner für die Presse

Pressereferentin der Universität Leipzig
Frau Susann Huster
Telefon: +49 341 97-35022
Fax: +49 341 97-35029
E-Mail: Susann.Huster@zv.uni-leipzig.de

PR/ Pressesprecherin
Frau Karoline Nöllgen
Telefon: +49 341 678 6524
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E-Mail: k.noellgen@leipziger-messe.de


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