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26.11.2025 Leipziger Tierärztekongress

KI im Schweinestall - Chancen und Grenzen: Mit Prof. Heiko Nathues

Was kann Künstliche Intelligenz (KI) in der Schweinepraxis, was kann sie (noch) nicht? Wie kann sie Tierärztinnen und Tierärzten helfen? Trends bei der KI-Nutzung im Schweinestall sowie deren Vor- und Nachteile thematisiert die Session „Tierwohl und KI in der Schweinebestandsbetreuung“ im Kongressschwerpunkt Schwein am 16. Januar 2026 auf dem Leipziger Tierärztekongress.

„Um uns herum wird immer mehr KI implementiert. Die neue Generation von Landwirten wächst in das Thema hinein und wird schon in der Ausbildung KI-Werkzeuge einsetzen. Deshalb müssen Tierärztinnen und Tierärzte wissen, was KI zum Beispiel diagnostisch leisten kann. Denn wenn wir KI nicht nutzen, werden es andere tun“, sagt Prof. Dr. med. vet. habil. Prof. h.c. Heiko Nathues, PhD, Leiter der Schweineklinik an der Klinik für Nutztiere am Department für klinische Veterinärmedizin, Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern, und Präsident des European Board of Veterinary Specialisation (EBVS). Auf dem Leipziger Tierärztekongress setzt er sich im Vortrag „Künstliche Intelligenz in der Schweinepraxis – Aktuelle Trends sowie deren Vor- & Nachteile“ in der Session zu Tierwohl und KI im Schwerpunkt Schwein mit den Potenzialen von KI auseinander.

„Dr. KI“ und die Grenzen

„Ich möchte den Teilnehmenden einen Überblick geben, was KI in der Schweinepraxis heute bedeutet und wohin die Reise geht. Wir haben in der Vergangenheit ja bereits im Kleintierbereich gesehen, dass die Tierbesitzer bei ‚Dr. Google‘ und inzwischen bei ‚Dr. KI‘ recherchieren und mit einer selbst gestellten ‚Diagnose‘ in die Praxen kommen“, so Prof. Nathues. In der Humanmedizin wiederum gebe es schon zahlreiche Apps zur Selbstdiagnose und Therapie, das sei auch für die Veterinärmedizin zu erwarten. „In meinem Vortrag werde ich in einem Fallbeispiel zeigen, welches hohe Niveau gängige KI-Systeme bereits erreichen. Bei Eingabe von Befunden, die Tierhaltende durch Beobachtung bei ihren Tieren selbst erheben können, bekommt man durchaus brauchbare Verdachtsdiagnosen, Therapievorschläge oder Präventionskonzepte. Setzen Tierärztinnen und Tierärzte solche Werkzeuge ein, können sie weit mehr herausholen und ihr Wissen erweitern.“ Allerdings unterliege der KI-Einsatz klaren Grenzen: „Die Entscheidung über eine Behandlung muss in menschlicher Hand bleiben! Ein Mensch muss dies prüfen, ethisch-moralisch abwägen und rechtlich verantworten.“

Husten-Monitoring per KI

Ein Frühwarnsystem zur Kontrolle der Atemwegsgesundheit bei Schweinen sei ein Beispiel für KI-Nutzung im Schweinestall, berichtet Prof. Nathues. „Dabei wird KI zur Erkennung von Mustern genutzt, um Abweichungen vom Normalzustand aus der Masse der Monitoring-Daten herauszufinden. Das Stallabteil wird permanent überwacht und die Software kann die Geräuschkulisse so analysieren, dass Husten identifiziert wird und bei entsprechenden Symptomen eine Meldung an die Tierhaltenden oder die Tierarztpraxis erfolgt“, erklärt er. „Erforscht wird ebenfalls, wie man KI zum Erkennen von Aggressivität bzw. Kannibalismus nutzen kann oder zur Überwachung und Analyse von Futter- und Wasseraufnahme. Auch am Schlachthof sind KI-Systeme interessant, beispielsweise um Verletzungen oder auch Entzündungen der verschiedenen Organe festzustellen.“

Projekt zur KI in der Lehre

Darüber hinaus werde er in seinem Vortrag eine eigene, in diesem Sommer abgeschlossene Untersuchung zum Einsatz von KI in der Lehre beleuchten, unterstreicht Prof. Nathues: „Wir haben erforscht, wie Studierende an eine strategische und sinnvolle KI-Nutzung herangeführt werden können und welchen Effekt das hat. Zurzeit widme er sich mit seinem Team außerdem einem EU-Projekt zu Berufsfeldern, die in zehn oder 20 Jahren gebraucht würden, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. „Auf dem Veterinärsektor haben wir erste Ideen für ‚Veterinary AI Governance Specialists‘, ‚Veterinary Data Scientists‘ oder auch ‚Veterinary Digital Twin Specialists‘ entworfen, aber das ist noch Zukunftsmusik“, führt er aus.

Inspirieren lassen

„Ich möchte den Tierärztinnen und Tierärzten den Impuls geben, sich mit dem Thema KI zu befassen und dabei auch über den Tellerrand zu blicken“, betont Prof. Nathues. „Ich bin schon sehr gespannt, auf dem Leipziger Tierärztekongress zu hören, was sich bei anderen Tierspezies auf dem KI-Sektor entwickelt hat. Ich schaue gern in andere Bereiche hinein, befasse mich ebenso mit den juristischen Herausforderungen in dem Zusammenhang. Die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen in der Veterinärmedizin vor dem Hintergrund von Klima- und gesellschaftlichen Veränderungen inspiriert mich. Der Leipziger Tierärztekongress bietet vielfältige Möglichkeiten, aus der eigenen Bubble herauszukommen, transdisziplinär zu diskutieren und zu erfahren, was in anderen Fachbereichen passiert.“

Der Vortrag „Künstliche Intelligenz in der Schweinepraxis – Aktuelle Trends sowie deren Vor- & Nachteile“ von Prof. Heiko Nathues findet am 16. Januar 2026, 11:00 bis 11:25 Uhr, im Rahmen der Session „Tierwohl und KI in der Schweinebestandsbetreuung“ (11:00 bis 12:15 Uhr, Themenschwerpunkt Schwein) auf dem Leipziger Tierärztekongress statt. Weiteres Thema dieses Vortragsblocks ist unter anderem die Bewertung eines KI-Systems zur Brunsterkennung bei Sauen

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