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06.01.2026 Leipziger Tierärztekongress

Tierführerschein auf dem Prüfstand: Pflicht zur Sachkunde oder Eingriff in Freiheitsrechte?

Immer mehr Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und überfüllte Tierheime werfen eine Frage auf: Sollte es in Zukunft eine verpflichtende Sachkunde für Tierhalter geben? Mit dieser Thematik beschäftigt sich die Brennpunktveranstaltung am 15. Januar beim Leipziger Tierärztekongress.

Im Brennpunkt am 15. Januar von 10:00 bis 12:25 geht es um das Thema „Tierführerschein – essentiell für das Wohl unserer Tiere?“ . In Impulsvorträgen und einer Podiumsdiskussion beleuchten Expertinnen und Experten unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Sachkundenachweis.

„Viele Personen schaffen sich aufgrund fehlenden Wissens Tiere an, deren Haltung sie überfordert. Dies zeigt sich dann unter anderem in überfüllten Tierheimen“, erklärt Prof. Dr. Rainer Cermak vom Veterinär-Physiologischen Institut der Universität Leipzig. Ein sogenannter Tierführerschein könne Besitzerinnen und Besitzer über die richtige Haltung der gewünschten Tierart und die damit zusammenhängenden rechtlichen und finanziellen Folgen aufklären sowie die unüberlegte Anschaffung von Tieren vermeiden. Das verhindere Tierleid, mit dem Tierärztinnen und Tierärzte immer wieder konfrontiert werden.

Auch Dr. Lothar Hoffmann, Präsident der Landestierärztekammer Thüringen, betont die Bedeutung von Wissen für das Tierwohl. Gleichzeitig warnt er jedoch vor einer gesetzlichen Verpflichtung, die mit hohem Verwaltungsaufwand und Eingriffen in persönliche Freiheiten verbunden wäre.

Kosten entstünden weniger durch den einzelnen Sachkundekurs selbst. Teuer werde die Infrastruktur für eine verpflichtende Prüfung, die Kontrolle und Sanktionierung, so Dr. Hoffmann. Laut einer Studie des Zentralverbandes der Heimtierbranche müssten dafür über 10.000 Anschaffungen pro Tag erfasst und die Sachkunde der Halter geprüft beziehungsweise kontrolliert werden.

Die Kosten für die Haltung von Tieren werden vielfach unterschätzt. So kostet nach Berechnungen des Deutschen Tierschutzbundes ein mittelgroßer nicht gelisteter Hund im Laufe seines Lebens über 20.000, eine Katze über 13.000 Euro, die Tierarztkosten für eine notwendige Behandlung von Verletzungen, Operationen und sonstige Therapien nicht mit eingerechnet. „Die Kosten für einen Sachkundekurs würden im Vergleich dazu kaum ins Gewicht fallen. Bei dem einen oder der anderen aber vielleicht dazu führen, sich die Anschaffung eines Tieres nochmals zu überlegen“, argumentiert Prof. Cermak.

Beide Experten sehen besonders bei exotischen Tieren einen Bedarf für verpflichtende Sachkunde. Bei klassischen Haustieren wie Hunden oder Katzen plädiert Dr. Hoffmann hingegen für freiwillige Lösungen, etwa in Form qualifizierter Kurse, Aufklärung durch Tierärztinnen und Tierärzte oder durch Schulen, Vereine und Versicherer.

Welche Regelungen sinnvoll, machbar und gesellschaftlich vermittelbar sind, wird in der Brennpunktveranstaltung aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert.

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